Fotografie zwischen Schwarzwald, Vogesen und Jura

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Feuerwerk statt Fasnachtsfüür

Lörrach – „In Stette gits kei Fasnachtsfüür, s wird nüt v’rbrennt, kei Schrank, kei Tür, e Füürwerk gits us Tradition, für d’Muetter, Vatter un de Sohn, in Stette…“ Mit einem rund fünfminütigen Feuerwerk am Buck hat die Stettemer Fasnachtsfüür-Gemeinschaft am Sonntagabend weite Teile der Bevölkerung überrascht. Statt der sonst üblichen Schiiebe flogen Feuerwerkskörper durch den Nachthimmel, um den Winter auszutreiben.

Menschenansammlungen vermeiden

Das Feuerwerk durfte aber im Vorfeld nicht aktiv im Internet oder über die Zeitungen beworben werden, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Das war eine der Auflagen der Stadtverwaltung für die Erlaubnis. Lediglich die direkten Anwohner im Wohngebiet „Auf Eggen“ wurden auf das Feuerwerk hingewiesen.

„Bitte jo nit uffe renne“

Die Nachricht, dass es wenigstens ein Feuerwerk gibt – wenn es schon kein Fasnachtsfüür geben darf – sprach sich allerdings auch ohne offizielle Bewerbung im Vorfeld herum. Per Smartphone wurde sogar eine auf Alemannisch gedichtete anonyme Ankündigung verbreitet, die explizit darum bat, „diesjohr bitte jo nit uffe renne“. So erfuhr auch ich im Vorfeld bereits vom geplanten Feuerwerk und wusste, wann ich wo zu sein hatte, um das Feuerwerk gut in den Fokus zu bekommen. Von Obertüllingen, das am gegenüberliegenden Hang liegt, hatte man einen tollen Blick. Leider war das kleine Spektakel schnell wieder vorbei.

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Jakobsweg und Alpensicht fast vor der Haustüre

LÖRRACH (mek). Es muss – gerade in Zeiten der Corona-Pandemie – nicht immer die große Ferne sein… der herbstliche Tüllinger Berg (Ötlingen, Wiiwegli, Daurhütte…) gestern Nachmittag mit toller Fernsicht auf die Alpen und Nahsicht auf das große Roche-Bauprojekt in Basel.

Und was viele gar nicht wissen: Neben dem viel begangenen Westweg führt auch der Jakobsweg über den Tüllinger Berg. Denn der Pilgerpfad entspricht zwischen Freiburg und Basel genau der Route des Markgräfler Wiiweglis.

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Everesting an der Hohen Möhr

SCHOPFHEIM (mek). „Everesting“ liegt – spätestens seit sehr viele Wettkämpfe für Läufer und Radfahrer coronabedingt abgesagt wurden – total im Trend.

Everesting ist eigentlich ganz simpel: Das Ziel ist es, die Höhenmeter des Mount Everest – also 8848 Meter – während einer Fahrt bzw. eines Laufs an einem frei wählbaren Anstieg zu absolvieren. Wo dies geschieht, ist also völlig egal – vom Weinberg bis zum Alpengipfel.

Radfahrer Christian Beeretz hat sich für seinen Everesting-Versuch mit dem Mountainbike am vergangenen Samstag die Hohe Möhr, ein 988,8 Meter hoher berg in der Nähe von Schopfheim im Schwarzwald ausgesucht.

Mindestens 15 Mal musste er dafür den Anstieg von Hausen im Wiesental bis zum Turm auf der „Möhr“ absolvieren.

Keine leichte Spazierfahrt, zumal auch die Abfahrt auf teils technischen Trails kaum Zeit zum Erholen bot. Für die Verpflegung stand unterwegs ein Auto in der Mitte des Anstiegs bereit und am Gipfel warteten tagsüber zahlreiche Freunde und die Familie.

Los ging es kurz nach Mitternacht und die letzten Höhenmeter sammelte er wieder in der Dunkelheit. Am Ende hat er es dennoch geschafft.

Ich habe diese ganz besondere „Trainingseinheit“ früh morgens und am Nachmittag mit der Kamera begleitet. Glücklicherweise hatte ich aber ein E-Bike, um mit dem ganzen Equipment mitradeln zu können.

Ein fast normales Rennen

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DAVOS (mek) – Olympia, die großen Stadtmarathons, der Schluchseelauf und auch der Lörracher Stadtlauf: Sie alle wurden dieses Jahr coronabedingt abgesagt. Der Swissalpine Davos fand hingegen am Wochenende als eine der wenigen Laufgroßveranstaltungen trotz Pandemie statt – mit Schutzkonzept, Maskenpflicht am Start und ohne Zuschauer im Ziel. Ich bin für eine Reportage für das Oberbadische Verlagshaus mitgelaufen.

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Die Welt ist ein Dorf und die Laufwelt sowieso. Das wird mir an diesem Samstag spätestens um kurz nach 11 Uhr klar, als ich auf dem Sertigpass Albrecht Pflüger treffe. Ein Schopfheimer und ein Lörracher begegnen sich am mit 2739 Metern höchsten Punkt der 68 Kilometer langen Strecke durch die Bündner Alpen. Was noch schöner ist: Die Corona-Pandemie scheint von diesem felsigen Ort mit Schneefeldern so weit entfernt, wie ich vom Sieg beim Olympischen Marathonlauf.

An das Virus denkt hier oben niemand

Alle Läufer des K68, die sich hier hochgekämpft haben, sind erschöpft, glücklich oder fokussiert, vielleicht auch frustriert, weil sie bis zum Ziel noch zwei weitere Pässe und mehr als ein Marathon absolvieren müssen. An das Coronavirus und wie dieses unser aller Leben verändert hat, denkt in diesem Moment wohl indes keiner nach.

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Als ich mehr als fünf Stunden zuvor meine Sachen gerichtet habe, war das noch anders. Denn neben Trinkflasche, Regenjacke und Verpflegung musste zum ersten Mal auch ein Mundschutz in den Laufrucksack. Kurz darauf am Frühstücksbuffet im Hotel empfangen mich Abstandsmarkierungen am Boden, eine Einbahnstraßenregelung und Desinfektionsmittelspender direkt neben den Croissants.

Das Stadion gleicht einem Hochsicherheitsbereich

Insgesamt, so denke ich, geht die Schweizer Bevölkerung allerdings deutlich lockerer mit dem Virus um als wir: Wer im Supermarkt eine Maske anzieht, wird schon mal schräg angeschaut und ist in der Minderheit. Der Startbereich im Davoser Stadion neben der Eishalle, gleicht an diesem Morgen hingegen einem Hochsicherheitsbereich: Alles ist mit Gittern abgesperrt, nur Läufer dürfen durch einen schmalen Seiteneingang hinein und auch nur, wenn sie bei der Kontrolle den drei Männern ihre Startnummer vorzeigen sowie ihre Maske über Mund und Nase geschoben haben.

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Im Inneren ist ebenfalls alles abgesperrt, selbst vor der Toilette achtet ein Freiwilliger darauf, dass nicht zu viele Sportler mit nervöser Blase gleichzeitig aufs Klo gehen. Dennoch ist die Stimmung gut und alle sind einfach froh, in diesem Sommer doch noch einen Wettkampf laufen zu können.

Umfassendes Schutzkonzept erarbeitet

Das Organisationskomitee des Swissalpine hatte im Vorfeld lange über die Möglichkeit einer Durchführung beraten und sich schließlich im Juni – anders als fast alle anderen Veranstalter – für den Lauf entschieden. Dafür wurde ein umfassendes Schutzkonzept erarbeitet: die diversen Laufdistanzen werden nicht zusammen durchgeführt, sondern in vier zeitlich voneinander getrennten Rennen mit je 300 bis 700 Teilnehmern an zwei Tagen, dazu gib es einen gestaffelten Start. Zuschauer im Start- und Zielbereich sind nicht erlaubt, und die Teilnehmer müssen vor dem Start und auf den ersten Metern eine Maske tragen. Außerdem gilt ein Mindestabstand am Start und Ziel sowie auf der Laufstrecke.

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Das funktionierte jedoch nur bedingt. Denn durch den gestaffelten Start der „Königsdisziplin“ K68 war zwar genügend Platz für die Läufer im Stadion vorhanden, als aber der laute Knall der Pistole erfolgt, drängen sich alle dann doch zusammen durch den relativ engen Startkanal. Einige wenige Eliteläufer haben zu diesem Zeitpunkt sogar schon ihre Maske ausgezogen, während sich die meisten – den Regeln entsprechend – dieser erst entledigen, als es aus dem Stadion auf die Hauptstraße geht, wo sich das Feld schnell in die Länge zieht.

Läufer-Lindwurm zieht sich in die Länge

Auf den ersten Metern fühlt es sich etwas komisch an, mit hunderten Läufern gemeinsam am Davoser Golfplatz vorbei zu rennen, doch spätestens als der Feldweg ins wunderschöne Dischmatal beginnt und der Läufer-Lindwurm immer länger wird, wechseln die Gedanken. Die Corona-Krise gerät die nächsten neun Stunden für mich in Vergessenheit. Stattdessen mache ich mir Gedanken über die richtige Verpflegung, achte beim Überqueren der unzähligen Bachläufe darauf, nicht auszurutschen und versuche, meine Kräften einzuteilen – wie bei einem normalen Wettkampf eben.

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„Der Start mit der Maske war speziell, aber das waren nur zwei Minuten und dann war es wie bei einem normalen Rennen“ erklärt auch Kathrin Götz, als sie rund 20 Minuten nach der Siegerin Marcela Vasinova (6:59h) als Zweitplatzierte ins Ziel kommt. Stephan Wenk bestätigt ebenfalls: „Unterwegs hat man nicht viel davon gemerkt.“

Pechvogel des Tages

Der Züricher ist der Pechvogel des Tages. Am Sertigpass liegt er mit einem Amerikaner deutlich in Führung, dann verpassen sie die Abzweigung und laufen talwärts, bis sie den Fauxpas bemerken. Trotzdem gelingt es Wenk, wieder zur Spitze aufzuschließen, auf den letzten Kilometern kann er Riccardo Montani aus Italien und Raphael Sprenger dann aber nicht mehr folgen. Der Italiener gewinnt schließlich den packenden Schlussspurt nach sechs Stunden und zwölf Minuten um wenige Hundertstelsekunden.

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Die Zuschauer können dieses packende Finale nur aus der Ferne durch dicke Glasscheiben beobachten. Viele feuern die Läufer stattdessen auf der Straße vor dem Stadion an. Auch ich genieße diese lautstarke Unterstützung und beschleunige nochmal, bevor ich auf die Ehrenrunde einbiege und mich nach dem Zielbogen erschöpft auf den Kunstrasen fallen lasse. Geschafft!

Erinnerungsfoto aber kein Finisher-Shirt

Mit zwei Metern Abstand setzt sich Christian aus Graz neben mich und streckt mir die Faust entgegen. Wir hatten uns auf der Strecke immer wieder gegenseitig überholt und motiviert, am Ende trennen uns nur fünf Sekunden. „Schee wars“, findet er, bevor er sich für ein Erinnerungsfoto mit dem alkoholfreien Ziel-Bier neben mich stellt und gleich wieder einen Schritt zur Seite weicht, bevor er abdrückt. „Corona!“ Die Pandemie hat uns wieder.

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Auf das sonst obligatorische Finisher-Shirt oder eine Medaille müssen wir hingegen verzichten. Aufgrund der kurzfristigen Entscheidung für die Durchführung hat es laut Veranstalter nicht mehr für die Produktion gereicht. Duschen oder Umkleiden gibt es aus hygienischen Gründen auch nicht, aber das stört uns nicht weiter, wir sind einfach glücklich und froh, ein (fast) normales Rennen gemeistert zu haben.

Ergebnisse – regionale Läuferinnen und Läufer
K68 Männer: 71. Kevin Geiger (Lörrach, 8:36,35), 112. Kristoff Meller (Lörrach, 9:10,36), 188. Albrecht Pflüger (Schopfheim, 10:05,26), 268. Klaus Bühler (Schopfheim, 11:25,59), 366. Michael Wilke (Weil am Rhein, 12:52,11)

K68 Frauen: 53. Kirsten Holzhüter (Maulburg, 11:04,19) 63. Bernadette Kern (Schopfheim, 11:30,18, 1. Platz AK)

K42 Männer: 125. Volker Teubler (Bad Säckingen, 4:18,33), 146. Christoph Nübel (Lörrach, 4:47,12)

K42 Frauen: 53. Sabine Kolczewski (Lörrach, 4:49,15)

K23 Männer: 306. Werner Ohnemus (Lörrach, 3:02,25)

K23 Frauen: 15. Emma Ladenberger (Maulburg, 2:08,56, 1. Platz AK)

 

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