Fotografie zwischen Schwarzwald, Vogesen und Jura

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Briefe, Bunker und Beton

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Ein zurückgelassenes Telefon im Luftschutzraum 


Rund 44 Jahre nach der Eröffnung wird das Postgebäude an der Palmstraße in den kommenden Wochen Stück für Stück dem Erdboden gleich gemacht. Die Mieter ziehen in diesen Tagen aus, viele Räume stehen bereits leer. Doch in den Katakomben des Betonriesen schlummern noch so manche Relikte aus Zeiten des Kalten Krieges.

Von Kristoff Meller

Lörrach. Es riecht modrig. Die radioaktive Leuchtfarbe an den Wänden erstrahlt im Schein der Taschenlampe, daneben stehen verwaiste Etagenfeldbetten ohne Matratzen und säckeweise chemische Einwegtoiletten. Im Kellergeschoss des zwischen 1971 und 1974 erbauten Postgebäudes befanden sich nicht nur über Jahre Kühlräume und die Kantine der Post sowie in den letzten Jahren ein Möbellager und Flächen diverser Fachbereiche des Landratsamtes sondern auch mehrere Luftschutzräume.

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Alles gelb: der Eingang in einen der Luftschutzräume

Die gelbe, dicke Tür  zum „Personenschutzraum 0.39“ ist weitläufig mit schwarz-gelben Streifen markiert und lässt sich nur schwer öffnen. Dahinter befinden sich triste, enge Betonräume. Angelegt in Zeiten des Kalten Krieges – um gegen Atomangriffe gewappnet zu sein – sind die Räume für jeweils 50 Personen schon vor Jahren  größtenteils geleert worden. Die Vorstellung, dass hier im Ernstfall 50 Personen auf engstem Raum ausharren sollten, wirkt beklemmend.

Nur einzelne Gegenstände wie ein graues Telefon mit Wählscheibe auf dem Boden, die Funksprechanlage an der Wand und eine Infotafel für das Verhalten im „Krisen-, Spannungs- oder Verteidigungsfall“ sind noch als stille Zeugen einer vergangenen Zeit übrig geblieben. „Bei Schutzraumbetrieb sind alle Türen und Klappen  sowie Rot gekennzeichneten Zu- und Abluftarmaturen zu schließen“, ist dort unter anderem zu lesen.

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Die letzten Feldhochbetten im Luftschutzbunker

Frischluft notfalls per Handkurbel

Das Lüftungsgerät lässt sich laut Infotafel auch ohne Strom per Handkurbel antreiben. Es sieht noch funktionstüchtig aus, im Notausstieg zur Erdoberfläche Richtung Sarasinweg steht hingegen knöchelhoch das Wasser.

Trocken bleiben die Füße in den großen Lagerräumen und weitläufigen Fluren des Kellergeschosses. Diese hatte das Landratsamt zuletzt über viele Jahre ebenso wie Teile der Stockwerke­ über der Erde als Mieter genutzt. Die Registratur nahm dabei den meisten Platz in Anspruch, wie Christiane Valerius-Mahler vom Kreisarchiv erklärt.

 

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Der Ausgang zur Treppe in der Tiefgarage ist nicht zu übersehen. 

„In den Anfangsjahren war es hier noch total leer, da haben wir in einem Raum immer Tennis gespielt“, erinnert sich der ehemalige Post-Mitarbeiter Günter Waßmer im Gespräch mit unserer Zeitung. Er kam 1972 zur Post und hat sogar „Super 8“-Filmaufnahmen der sportlichen Pausenbetätigung. Nun erinnern in den geräumten Gängen nur noch einzelne Zettel mit dem großen „T“ oder ein einsamer Kabelverzweiger an die Vergangenheit.

Kreisarchivar Oliver Uthe und Christiane Valerius-Mahler haben  vor der Räumung das Gebäude und das Leben darin mit vielen Fotos für die Nachwelt dokumentiert. Obwohl das Landratsamt nie Eigentümerin des Gebäudes war. Ursprünglich war das Haus im Besitz der Bundespost, später wurde es Eigentum des  Investors Bernard Dov Widerker, der nun das „Lö“ bauen lassen wird. Die Eröffnung des neuen Wohn- und Geschäftshauses ist für das Frühjahr 2020 geplant.

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Beispiel des brutalistischen Architekturstils: das Postgebäude

Vertreter der brutalistischen Architektur

Dafür wird der Betonriese in den nächsten Monaten (siehe Infokasten) dem Erdboden gleich gemacht. Ihn ereilt damit das gleiche Schicksal wie viele ähnliche Gebäude gleichen Baustils. Denn das Haus ist laut Oliver Uthe ein Vertreter für die brutalistische Architektur der 1950er- bis 1970er-Jahre.

Der Begriff bezieht sich dabei nicht auf das Wort „brutal“, sondern auf  den französischen Ausdruck für Sichtbeton („béton brut“), wie das Deutsche Architekturmuseum im Zusammenhang mit einer aktuellen Ausstellung erklärt. „SOS Brutalism – Save The Concrete Monsters!“ („rettet die Betonmonster“) heißt diese.

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Mit bunter Farbe aufgehübschte Betonmauern

Sie setzt sich für den Erhalt der Gebäude ein und befasst sich genauer mit dem Stil. Brutalistische Architektur zelebriere „das Rohe, die nackte Konstruktion“ und sei enorm fotogen, schreibt das Museum. Und weiter: „Viele sehen darin jedoch Betonmonster, über die man leidenschaftlich streiten kann. Die oft spektakulär-expressiven Bauten entstanden in einer Zeit der Experimente und des gesellschaftlichen Aufbruchs. Heute droht etlichen der Abriss.“

Zeitplan: Abriss und Postumzug
Der Rückbau  des Postgebäudes soll rund vier Monate dauern und Ende Januar beginnen. Zunächst wird das Gebäude entkernt, danach die Hülle abgebrochen. Allen Mietern wurde zum 31. Januar gekündigt. Die Arbeiten für den Neubau „Lö“ starten im August.

Der Artikel ist am Samstag, 27. Januar, in den Print-Ausgaben des Verlagshauses Jaumann (Die Oberbadische, Weiler Zeitung und Markgräfler Tagblatt) erschienen.

 

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FUQRS – Radcross am Rührberg

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RÜHRBERG (mek). Stollenreifen, Stockbrot und jede Menge Schlamm: Auch ohne Schnee wie 2016 war das Silvester-Cyclocross der FUQRS (Freiburger Umland Querfeldein Renn Serie) auf dem Rührberg wieder eine tolle Sache.

Lörracher Weihnachtscircus 2017

Lörracher Weihnachtscircus 2017

Das Duo Ferrandino mit ihrer eindrucksvollen Rollschuh-Show

LÖRRACH (mek). Bauernhoftierdressur, Rollschuh-Akrobatik, Trapez-Nummern oder  Clown Pom-Pom vom Ungarischen Nationalcircus – Der Lörracher Weihnachtscircus gastiert derzeit bereits zum 19. Mal auf dem Messegelände beim Grüttpark und bietet noch bis zum 7. Januar eine „weihnachtliche Zirkusgala auf höchstem Niveau“ mit insgesamt 22 internationalen Artisten. Für die Oberbadische durfte ich das Programm fotografieren. Hier kommt eine Auswahl aus dem rund zweeinhalbstündigen Programm:

Lörracher Weihnachtscircus 2017

Shannon Frank am Schwungtrapez

 

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Willy Lauenburger lässt einen Hund durch die Luft fliegen.

 

 

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Belchen: Über den Wolken

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SCHÖNAU (mek). Grau, trüb und trist: So präsentiert sich derzeit meistens das Dreiländereck. Wer sich hingegen auf die Schwarzwaldhöhen begibt, hat gute Chancen, nicht nur mit den Füßen im Schnee zu stecken, sondern auch seine Nase in die Sonne halten zu können. So auch gestern Vormittag am Belchen. Und da wohl die Mehrheit der Menschen mit Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt war, hielt sich auch der Trubel da oben stark in Grenzen – himmlisch erholsam… In diesem Sinne: Frohe Festtage und alles Gute für 2018!

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Der Gipfel des schönen Aussichtsbergs war über der Wolkenschicht und bot eine tolle Rundumsicht über das Wolkenmeer mit Inseln wie dem Hochblauen, der Hohen Möhr oder den Windrädern bei Gersbach, die vor dem Alpenpanorama durch die Wolkendecke stachen.

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